So wandelt sich der Biohof Thees unter und über der Erde.

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Schwarzes Gold: der Kompost

Unser „Schwarzes Gold“ – der Kompost

 

Tomate ist nicht Tomate! Es gibt rote Tomaten, gelbe, schwarze, grüne, große, dicke, kleine, bunte, saftige, süße, fruchtige, ovale, herzenförmige, orangefarbene – und noch andere mehr!

 

Im Laufe der letzten Jahrhunderte wurden sehr viele verschiedene Tomatensorten gezüchtet. Jede Sorte hatte einen anderen Namen. Bei uns im Betrieb hat sich in den letzten Jahren die Cocktail-Tomate „CAMPARI F1“ als Favorit herausgestellt. Auf unserem Boden / Acker hat diese einen süßen Geschmack mit leichter Säure. Sie gedeiht mittelgroß, ist leuchtendrot und wird sonnengereift geerntet. Die „CAMPARI“ schmeckt auf Geestboden, unserem Boden, anders als die gleiche Sorte „CAMPARI“ auf Marschböden. Ebenso ist es mit vielen anderen Gemüsekulturen wie zB Kartoffeln, Kohl, Möhren, Gurken etc. Sehr entscheidend für den Geschmack und die innere Qualität der Gemüsearten ist die Nährstoffversorgung der Pflanzen. Jede Pflanze benötigt, wie wir Menschen, „Futter“ um zu leben und zu gedeihen. Im Gemüsebau gibt es viele verschiedene Variationen, die Pflanzen zu versorgen.

 

Bevor ich jetzt hier auf unsere Philosophie der Pflanzenernährung ein bisschen genauer eingehe, möchte ich Ihnen einige dieser erwähnten Varianten kurz beschreiben: da sind die Permakulturen. Da werden die Kulturen gesät oder gepflanzt. Anschließend werden k e i n e besonderen Kulturmaßnahmen getätigt – geerntet wird das, was nachher fertig ist. Der Vorteil besteht darin, dass sie Kulturen naturbelasssen mit allen Beikräutern wachsen und daher wenig Arbeitsaufwand verursachen. Ein Nachteil kann allerdings sein: der Ertrag kann öfter mal geringer ausfallen. Speziell bei der Tomatenkultivierung ist eine andere Anbauform das absolute Gegenteil.

 

Eine moderne Form, auf der Welt, global, meist verbreitet, ist der Anbau nicht auf dem Boden sondern unabhängig auf Glas- bzw. Steinwolle. Es befinden sich in den dafür errichteten Gewächshäusern geschlossene Rinnen, die mit Glas- oder Steinwolle gefüllt sind. In dieser Wolle werden die Tomaten gepflanzt und können dort hinein wurzeln. Durch diese

Rinnen fließt regelmäßig Wasser, das mit mineralischen Nährstoffen angereichert ist. Diese Versorgung wird computergesteuert exakt auf die Bedürfnisse der Tomaten zu jeder Kulturzeit abgestimmt. Damit wird möglichst wenig dem Zufall überlassen. Es ist ein geschlossenes, gut kontrollierbares Anbauverfahren. Es wird praktiziert zB in Israel, Spanien, Italien, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und auch hier bei uns in Deutschland. Ein großer Vorteil dieses Verfahrens ist: der Ertrag, gerechnet in kg pro qm, ist sehr hoch. Daher können die Tomaten sehr günstig produziert und auch so an die Kunden weiter verkauft werden. Ein Nachteil allerdings ist: es fehlt die i n n e r e Qualität. Der Geschmack

aus „Omas Garten“. Zwischen diesen beiden extremen Anbauverfahren gibt es aber noch sehr viele unterschiedliche Kulturverfahren. Es gibt die Hausgärten, es gibt die großflächigen Betriebe mit wenigen Kulturen, sehr mechanisiert

und spezialisiert, es gibt kleine Betriebe mit vielen verschiedenen Kulturen; sehr arbeitsintensiv und vielseitig, es gibt Betriebe, die konventionell arbeiten; d.h. die Chemie nutzen, um zum Ziel zu kommen und es gibt, last but not least, Betriebe, die auf Chemie verzichten. Zu denen zählen wir.

 

Der Anbau von Gemüse hat eine riesige Bandbreite. Aber wir Gärtner und Bauern haben alle ein gemeinsames Ziel: wir möchten Lebensmittel produzieren, die für alle Menschen lebensnotwendig sind. Jeder Mensch ist ein Individuum und daher hat jede Anbauform von Gemüse seine eigene Berechtigung. Von uns jedenfalls werden Sie nicht hören, diese Anbauform ist richtig, diese ist falsch.

 

Wie versorgen wir auf unserem BIOHOF unser Gemüse?

 

Es ist ein stetiger Wechsel. Wir haben die Weisheit nicht gepachtet! Wir kultivieren in der Natur und passen uns den natürlichen Bedingungen (Wetter etc.) an. Auch nach über 15 Jahren in der Selbständigkeit ist jedes Jahr wieder eine neue Herausforderung. Erstens treu dem Motto: Ist der Boden gesund, ist auch die Pflanze gesund! Und, zweitens, dem

Motto: Wer den Boden g u t nährt, wird vom Boden g e nährt. Wolkenkratzer, Städte, Häuser, Straßen, Computer, Homepages und vieles mehr, alles ist vergänglich, auch unser Leben. Was n i c h t vergänglich ist, ist unser Grund und Boden, unsere Scholle, der Acker, den haben wir geerbt und werden ihn weitergeben an unsere Kinder, Kindeskinder.

 

Was bedeuten darum für uns: R e s p e k t und P f l e g e von Acker und Boden?

 

Wir haben uns entschieden, auf den Einsatz von chemischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln zu verzichten. Meine Frau und ich haben beide das Handwerk zum Gemüsegärtner gelernt. Unser Anspruch ist es, Ihnen gutes, frisches und geschmackvolles Gemüse (mit einem ansprechenden Äußeren) anzubieten. Unser Acker wird von Jahr zu Jahr besser. Die Bodenfruchtbarkeit

steigt stetig. Da wir das Gemüse ernten und Ihnen gern verkaufen wollen, müssen wir den Boden immer wieder n e u versorgen. Wir verwenden organische Düngemittel dazu, wie zB Hornspäne, eigenen Hofkompost und Gründüngung. Hornspäne ist ein sehr guter Dünger, den Sie auch gut bei sich im Garten einsetzen können. Leider sind noch nicht genügend Kunden bereit, biologisch erzeugtes zu genießen, daher gibt es zu wenig Bio-Hörner. Bio-Hörner sind Grundlage der Hornspäne. Die erhält-lichen Hornspäne kommt daher aus konventioneller Tierhaltung...! Wir düngen daher unseren Boden zusätzlich

mit selbst hergestelltem Kompost, unser sogenanntes „Schwarzes Gold“. Da wir einen hohen Qualitätsanspruch haben, bleibt vom Gemüse die „B-Ware“ auf dem Feld, bzw. wird eingesammelt und mit Schaf-, Rinder- oder Pferdemist aus unserer Nachbarschaft vermischt und veredelt und damit zu einem großen Komposthaufen aufgesetzt. Nach einem halben Jahr zersetzen viele Millionen Kleinstlebewesen, Regenwürmer, Bakterien, Pilze diesen in wunderbare, fruchtbare Komposterde.

 

Diese Komposterde wird im Frühjahr aufs Feld ausgebracht und füttert unsere Bodenlebewesen. Ein lebendiger Boden gibt viele wertvolle Nährstoffe und Mineralien frei, die wichtig für die Entwicklung von Gemüse ist. Es verleiht dem Gemüse das „Besondere“. Mit der Komposterde können wir nicht a l l e i n e unser Gemüse versorgen, daher nutzen wir Grünpflanzen zur sogenannten „Gründüngung“. Wertvolle Pflanzen wie zB Klee, Lupine, Ackerbohne, Erbse, Wicken, Phacelia, Buchweizen etc. werden aufs Feld ausgesät und nach der Blüte eingearbeitet. Das ist (zum einen) eine wunderbare Bienenweide und (zusätzlich) wertvolles Futter für unseren Boden.

 

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